“Nur der Pudding hört mein Seufzen”: als Zeitdokument sehr lesenswert

Die US-Autorin Erma Bombeck (1927-1996) gilt als eine der berühmtesten Humoristinnen ihrer Zeit und veröffentlichte neben ihren Büchern als Kolumnistin mehr als 4000 Beiträge in unterschiedlichen Medien. In “Nur der Pudding hört mein Seufzen”, Ersterscheinung 1972, kämpft sich Bombeck mit Ironie durch den Alltag einer Hausfrau und Mutter.

Situationskomik in Bezug auf Erziehung, Eheleben, Haushaltsführung und Selbstwahrnehmung begleiten die Leserin durch locker leicht lesbare 224 Seiten. Letztlich landet sie dabei auch bei heute noch vorhandenen Klischees und Schönheitsidealen. Nur, dass die Leserin aus dem 21. Jahrhundert die Zeilen nicht mehr so unbeschwert zu lesen vermag. Im Absatz “Reiß dich zusammen, bevor du auseinandergehst” beschwert sich die US-Autorin beispielsweise über den vorhandenen Druck auf Frauen aus der Modeindustrie. Spätestens, als ihr Mann mit einem Foto des britischen Models Twiggy und dem Kühlschrank-Hinweis “Zähl die Kalorien” ankommt, wissen wir: der Druck kommt nicht nur aus der Modeindustrie.

Womit hat sie das verdient?

Weniger humorig beginnt das Kapitel “Eine Mutter leidet stumm”. “Gelegentlich wird einer Mutter schlagartig klar, dass alle auf ihr herumtrampeln, sich an ihr die Füße abputzen, dass keiner an sie denkt”. Und obwohl wir wissen, dass die Zeilen überspitzt formuliert und passagenweise nicht ganz ernst gemeint sind, kommt ein Unbehagen auf. Ein Unbehagen ob der misslichen Lage dieser Frau. Womit hat sie das verdient und warum bemerkt diese Ungerechtigkeit keiner? Und sie erkennt ihre Misere selbst: “Nur der Pudding hört mein Seufzen.”

An vielen Stellen bleibt es traurig

Die US-Autorin bewegt sich zwischen humoriger Unterhaltungsliteratur und dem Anspruch, ernste Themen anzusprechen. Damit ist sie ihrer Zeit bestimmt voraus und darf durchaus als revolutionär gelten. Ein Werk, das auch heute noch Perspektivenwechsel und Horizonterweiterung gleichzeitig hervorruft. Aber was nach Beenden der Lektüre bleibt, ist der Eindruck, dass es wohl schrecklich sein muss, Mutter und Hausfrau zu sein. “Ich wusste, wenn ich mich nicht ein bisschen über mich lustig mache, [...] wäre es zu traurig”, so schreibt Bombeck ihren Schlusssatz. Die an vielen Stellen dargelegte Frustration und Resignation der Protagonistin kann dieser Schlusssatz nicht aufwiegen. An vielen Stellen ist und bleibt es traurig. “Nur der Pudding hört mein Seufzen”: als Zeitdokument absolut lesenswert.

Die folgende Bewertung der Buchclub-Mitglieder gibt einen guten Überblick unseres Eindrucks vom Buch.

Lesefluss: 3,3
Sprache und Stil: 2,3
Aufbau und Handlung: 3,5
Emotionale Wirkung: 3,5
Gesamteindruck: 3,5

★★★★★
★★★★★

“Nur der Pudding hört mein Seufzen”
von Erma Bombeck
Originaltitel: “At wit’s end”
Übersetzt von Isabella Nadolny
224 Seiten, Taschenbuch
Gustav Lübbe Verlag, 1982
Erstausgabe 1965
ISBN: 978-3785702277